"You need to earn your turns" - du musst Dir Deine Schwünge verdienen.

   Dieser Spruch kam aus dem Mund eines Leidensgenossens, auf dem Weg zum Lift. Doch erst mal der Reihe nach: Laut Internet hat es in Heavenly letzte Nacht 41 inch Neuschnee gegeben. Nur so zum Vergleich: Meine Bassdrum hat einen Durchmesser von 22. Allerdings hatte das auch zur Folge, dass die Öffnung der Lifte auf 10 Uhr veschoben wurde und wir demzufolge erst gegen 9 los. Oben auf der US 50 hatte es wieder - wie schon gewohnt - eine geschlossene Schneedecke. Inzwischen schreckt und das schon gar nicht mehr ab, der Allrad schnurrt den Pass wie gewohnt hoch. Unten angekommen in Heavenly wird der Verkehr aber so richtig dick und es geht nur noch im Schritttempo vorwärts. Das ändert sich auch nicht, als wir die letzte Abzweigung hoch um Packplatz fahren. Was uns nur wundert, ist, dass uns so viele Autos entgegen kommen. Des Rätsels Lösung wir uns prompt präsentiert: "Parkin lot full" - der Parkplatz ist voll. Aber weit und breit keiner, den man nach einem Tip für eine Alternative fragen könnte. Selbst die Angestellte der Stadtverwaltung zuckt nur mit den Achseln, als sie - doch schon - die Zufahrt zum vollen Parkplatz sperrt. Also den dicken Karren wenden und wieder runter, weg vom Lift. Nach einiger Zeit sehen wir auf der anderen Seite etwas Platz am Straßenrand und kein Schild, das uns am Parken hindern würde. Ist auch egal jetzt, wird schon kein Ticket wegen Falschparkens geben. Auf jeden Fall ein Minuspunkt für Heavenly, so etwas habe ich nocht nicht erlebt.

   Na denn, rein in die Skistifel und per pedes rauf zum Lift. Dank der inzwischen rausgekommenen Sonne ist das eine schweißtreibende Angelegenheit. Und hier kommt es dann zu der in der Einleitung beschriebenen Aussage eines Mitwanderers. Als wir nach einer knappen halben Stunden endlich ankommen, reicht es uns schon fast für den Tag. Aber die Tickets sind gebucht und bezahlt, also werden sie auch abgefahren. Punkt.

   Auch die Schlange am ersten Lift hebt nicht unbedingt unsere Stimmung. Was dann aber deutlich besser aussieht, ist die Sonne, die oben durch die Wolken kommt und immer wieder der grandiose Ausblick auf den Lake Tahoe. An manchen Stellen sieht das so aus, als ob man über dem Meer skifahren würde, so groß ist der.

   Die Pisten sind traumhaft, ganz gut präpariert und ganz weich und griffig. Zum Glück ist es kalt genug, dass das den ganzen Tag über so bleibt. Inzwischen haben sich die Leute auch verlaufen und es gibt kaum mehr Wartezeiten an den Liften. Nach knapp zwei Stunden brauchen wir dann die obligatorische Pause, diesmal mit Glühwein - aber bitte ohne Rum und nicht noch einen anderen Schnaps drin. Das wärmt und lässt die Kräfte wiedererstarken und wir fahren noch mal ganz rauf und verabreden uns an der Mittelstation - Gitta fährt die ihre bekannte Piste und ich wage mich mal in den Pulverschnee abseits der Piste und zwischen den Bäumen. Fazit: Der Hammer! Der Schnee ist so locker und fluffig das es nur so durch die Sonne zwischen den Bäumen staubt. Ich glaube, so einen Schnee hatte ich bisher noch nie. Unten, kurz bevor ich Gitta wieder treffe, mache ich dann aber die Erfahrung, was im tiefen Schnee passiert, wenn das Gelände zu flach und man demzufolge nicht schnell genug ist: Nichts! Da steht man dann bis zu den Knien im Schnee. Versuch dann mal, Deine Ski wieder rauszubekommen, geschweige denn, vorwärts zu kommen. Da kosten die paar Meter mehr Kraft als die ganze Piste.

   Um dreiviertel vier machen wir uns dann auf den Weg ins Tal. Da soll es eine blaue Piste geben, so dass man den Lift und die Gondel umgehen kann. Allerdings erfordert die etwas Schiebearbeit im oberen Teil, bietet aber immer wieder tolle Aussichten auf den See runter. Unten angekommen sind wir dann ziemlich am Ende, müssen aber noch den Strecke bis zum Auto bewerkstelligen - sofern das noch da steht. Der viele Schnee hat auch sein gutes und wir rutschen große Teile des Weges mit unseren Skiern am Rand der Straße runter.

   Das Auto ist noch da und Ticket ist auch keines dran - alles in Butter. Wir stehen uns noch ein bisschen durch die Ortschaft auf dem Weg zurück nach Carson City und stellen mal wieder fest, wie hemmungslos die Amerikaner Betonklötze in die Lanschaft stellen - so wie hier- Casinos und Hotels in Heavenly, einem himmlischen Stück Erde (wenn man einen Parkplatz hat)

   Morgen geht es dann für mich nochmal nach Heavenly und Gitta macht noch einen Tag Pause.