"Vail is heavily overrated" - "Vail ist total überbewertet" - so die Aussage von Keith, unserem Vermieter. Das wollten wir heute überprüfen.

   Also los, für ein paar Meilen auf die I70 und dann noch mal ein paar Meilen über Frisco nach Breckenridge. Laut Internet soll es dort einen kostenlosen Parkplatz mit Shuttle geben. Den verstecken die Einwohner aber gut, denn wir fahren nach den Wegweisern und landen am Parkplatz an der Gondel wo ein Tag parken 12$ kostet(e). Also wieder zurück und die Augen auf. Als wir schon gar nicht mehr dran glauben, kommt er dann doch noch. Nach dem Parken auch der Bus. Der kommt hier alles 7-12 Minuten. Ein Pluspunkte für Breckenridge.

   Heute ist hier wesentlich weniger los an der Gondel als letztes Jahr, als ich hier war. Dieses Mal muss ich auch keine Zeit mit Ticket kaufen verbraten, also nix wie rein in die Gondel und los. Wir tasten uns von ganz rechts im Skigebiet weiter nach links, wo es die vielen schwarzen Single-Diamond und Double-Diamond-Pisten gibt, am Peak10. Schnee sieht absolut cool aus, oben im Skigebiet, würde ich sagen, liegen auf der Piste ca. 15cm Pulver. Und zwar von der feinsten Sorte, der nur so weg staubt, wenn man mit den Skiern schwingt. Die Leute hier sind auch etwas entspannter, wir haben schon in der ersten Stunde mehr Small-Talks im Lift als gestern den ganzen Tag. Auch das Anstehen ist lockerer und es quetscht sich auf der Piste niemand an dir vorbei. Weitere zwei Pluspunkte für Breckenridge.

   Am Peak10 wagen wir und dann in den Wald und umkurven die Bäume im lockeren Schnee. Auch die "Pisten" (gewalzt wird dort nix),die freier sind, machen absolut Laune, so einen Schnee haben wir in den Alpen fast noch nie erlebt. Gegen 11 nehme ich das Angebot von Keith an, ihn mal anzurufen, um mit ihm eine Tour zu machen (er ist Snowboardlehrer in Breck). Das klappt fast, wir verabreden uns für kurz nach 1. Nach ein paar SMS hin und her haben wir ihn dann gefunden. Vorher machen wir noch Mittag in einer "Warming Hut" - einer Wärmestube mit Tischen und Stühlen. Noch ein Pluspunkt für Breck (so nennen die das hier, Breckenridge ist wohl zu lang.)

   Keith bringt uns erst mal nach oben und nach einem "kurzen" Fußmarsch - ich komme in den ca. 15 Minuten mehrmals total außer Puste - gleiten wir einen unberührten Hang runter, bis zu den Knien im Pulver. Darum sind wir hergekommen! Ich lege mich dabei einmal mit Schwung vorwärts in den Schnee, weil mein Ski stehenbleibt und ich nach vorne weiter will - scheiß Trägheit! Bei dem lockeren Schnee ist das aufstehen auch nicht ganz so einfach. Zum Glück liegt mein Ski oben auf dem Schnee, ich muss also nicht suchen. Der untere Teil der Abfahrt geht dann wieder durch die Bäume runter zum Lift, das geht in die Knochen.

   Der zweite Trip geht dann ganz rauf auf 3962m mit dem Imperial Express Super Chair. Dort pfeift uns der Wind um die Ohren, dass es nicht mehr feierlich ist und die Sicht wird auch immer schlechter. Nichts destotrotz queren wir den Hang oben und wollen zum "Whale Tail", einer Double-Diamond-Abfahrt - übersetzt wohl eine doppelt schwarze Piste. Das Problem ist, dass auch Keith irgendwann nicht mehr genau weiß, wo wir eigentlich sind. Also tasten wir uns durch den Sturm, wobei man nur an der Geschwindigkeit merkt wo oben und unten ist. Auch der Übergang von gleiten zu stehen ist kaum zu merken, was der Grund für den einen oder anderen Umfaller ist. Dann auf einmal ein ziemlicher Schreck: Keith steht - oder besser: liegt drei Meter weiter unten, wir haben eine Schneekante übersehen. Zum Glück ist nichts passiert, wir fahren auch über diese Kante und tasten uns weiter. Auf ein Mal wir dann doch die Sicht etwas besser und wir sehen, dass wir Whale Tail erreicht haben. Mit ein bisschen Sicht ist die Abfahrt gigantisch und wir düsen dem Tal entgegen.

   Unten angekommen steckt uns das ganze ziemlich in den Knochen, weil wir uns nicht so sicher waren, wie wir da heil wieder runter kommen sollten. Aber ein Erlebnis war das auf jeden Fall. Aufgrund der wackeligen Knie beschließen wir, dass es für heute reicht und setzen uns unten in die Kneipe mit dem Ziel, ein Bier zu trinken. Der Bereich mit Bedienung ist ziemlich voll, aber im SB-Bereich gibt es mehr als genug Platz. Dort haben wir das Glück, dass eine Bud-Light Promotion stattfindet, wir also je ein Bud Light umsonst von einer Blondine serviert bekommen. Nach dem Trip schmeckt das gar nicht soooo schlecht, wobei wir uns nicht sicher sind, ob uns da nicht auch ein Öttinger Hell geschmeckt hätte. Dann noch schnell mit Gondel und Bus zurück zum Auto und dann ab nach Silverthorne.

   Bei der Anzahl der Pluspunkte ist die Entscheidung gefallen, wo wir ein zweites Mal hinfahren: Breck. Aus Versehen sogar schon morgen. Eigentlich wollte ich ja nach Arapahoe Basin, aber nachdem das Datum auf meinem PC den 1.3. anzeigt, buche ich die Tickets für den zweiten. Bei der Bestätigung stelle ich dann fest, dass das der Donnerstag ist. Des Rätsels Lösung: als ich die Tickets um kurz nach 8 abends buche, ist es in Deutschland schon Mittwoch und mein PC ist noch auf deutsche Zeit eingestellt. Aber na ja, dann halt so rum. Ob wir am Freitag nach Dever fahren oder noch mal zum Skifahren, sehen wir dann.