Erster Blick heute aus dem Fenster: Oh, das sieht ja gut aus. Ich will aber noch nicht aufstehen, ich mach noch mal kurz die Augen zu...

   Zweiter Blick aus dem Fenster: Oh, das schüttet ja in Strömen. Also erst mal in Ruhe das Frühstücksbuffet genießen. (zum Glück hat das nur bis 10:00h geöffnet, sonst würde wir morgens gar nicht mehr loskommen.)

   Während dem Frühstück dann Kriegsrat: Wir entschließen uns, eine Gent-Card zu kaufen, mit der man in alle Museen und Sehenswürdigkeiten kommt, eine Stadtrundfahrt auf dem Wasser machen kann, Straßenbahn fahren kann, sich ein Fahrrad mieten kann...

   Außerdem können wie so erst mal in das Stadtmuseum um die Ecke in der Hoffnung, dass das Wetter noch ein bisschen besser wird. Das stellt sich schnell als weise Entscheidung heraus, das Museum ist sein Geld wert, es beleuchtet Gent von vielen Seiten, von der Gegenwart bis zurück zu den Ursprüngen am Zusammenfluss von Schelde und Leie ("Ganda"). Geht schon mal gut an mit einem Luftbild von Gent am Boden des ersten Saals (nicht Zimmer!) und in der Mitte ein 3D-Modell der Altstadt. Klasse gemacht! Die 90 Minuten, die der Audioguide verspricht, sind recht optimistisch, wir verbringen über 2 Stunden dort.

   Nächste Station ist dann Gravensteen, die mittelalterliche Burg von Gent. Ziemlich beeindruckend, wie sie die wieder aufgebaut haben, nachdem sie während der industriellen Revolution für Spinnereien(!) verwendet haben. Nachdem uns danach der kleine Hunger etwas quält, laufen wir die nächste Frittenbude an und holen uns eine kleine Portion (für Gitta) und eine mittlere für micht. Die große Portion wäre wohl die richtige für Robin gewesen ;-), ich bin jedenfalls vollauf bedient.

   Den Nachmittag verbringen wir dann in den verschiedenen tollen Kirchen hier in der Stadt (teilweise mit seltsamen Kombinationen: gotisches Gebäude mit barock-artigem Altar, der wie nachträglich eingefügt aussieht) und dem Burgfried mit seinen vielen Glocken und einer Aussicht, dass es einem fast schwindlig wird.

   Rechtzeitig um kurz vor sechs sind wir dann an der Bootsanlegestelle für die Stadtfahrt auf dem Wasser, nicht ohne uns vorher im Supermarkt das Abendessen zusammengestellt zu haben. Tut auch wieder ganz gut, mal eine Weile zu sitzen, nachdem wir jetzt schon fast den ganzen Tag auf den Beinen sind. So erfahren wir außerdem noch etwas mehr über Gent und sehen einige Ecken aus einer ganz anderen Perspektive.

   Das Abendessen genießen wir (zusammen mit vielen anderen) am Kanalufer in der Sonne und genießen unser Festmahl und Bier. Nachdem wir dann den Rucksack im Hotel zurückgelassen haben machen wir uns noch mal auf ins "Charlatan", wo heute Abend schon die ersten Bands des Stadtfestes (Gentse Feesten) spielen sollen. Der Laden erweist sich als dunkler Rock-Kneipe in der für eine kleine Band aufgebaut ist. Wir üblich die mit etwas Verspätung an, legen dann aber los, als gäbe es keinen Morgen mehr. Nur zwei Musiker (Gitarre und Schlagzeug - Equal Idiots), aber mit einem Dampf und Elan bei der (Punkrock-)Sache - das macht richtig Laune. Kaum ein Lied über 1:30 und so sind sie nach gefühlen 15 Songs in einer guten halben Stunden fertig. Wir beschließen, es für heute gut sein zu lassen und tappen durch die langsam für das Festival wach werdende Stadt zurück zum Hotel. Morgen ist dann auf dem Weg nach Dunkerque noch ein Stop in Brügge vorgesehen. Mal sehen, ob da mehr Erinnerungen wach werden als hier in Gent.