Hä, was soll das? Warum klingelt mein Handy-Wecker heute um 4:15. Kurzes Kramen in den grauen Zellen ergibt: richtig, für heute ist ja die Kajak-Tour auf dem Fluss geplant.

   Um diese Zeit hat noch kein Mensch Lust auf Frühstück deswegen gibt es nur den obligatorischen Kaffee im Bett und um 5:15 tappen wir im Dunkeln runter zum Tauchclub, wo wir unseren Guide treffen sollen.

   Es stellt sich heraus, dass wir heute die einzigen Gäste sind, also den Guide für uns haben. Kurze Zeit später lassen wir das Doppelkajak für uns und das einzelne für ihn in das seichte Wasser am Flussufer und paddenl los. Klappt auch, aber nach kurzer Zeit haben wir den Eindruck, es geht nix mehr vorwärts. Des Rätsels Lösung: der Fluss ist hier so flach, dass wir auf dem Sand aufgesessen sind. Also noch mal raus, ein bisschen schieben und wieder rein. 

   Nachdem wir heute den Sonnenaufgang bewundern wollen, paddeln wir ganz langsam durch die Dunkelheit flussaufwärts. Komisch, Vögel in der Dunkelheit? Nein, klärt uns unser Mitpaddler auf, das sind Flughunde - eine Sorte Fledermäuse mindestens so groß wie bei uns daheim die Raben. Wenn sie etwas tiefer über uns drüberfliegen, kann mach auch die für die Fledermäuse typische Flügelform erkennen. Schön langsam wird es dann hinter den Bergen langsam heller und rot und auch die Landschaft um uns rum bekommt umso mehr Farben, je höher die Sonne steigt. Ist wirklich eine tolle Stimmung schön ruhig und entspannt. Also wir hinten an einer kleinen Stromsschnelle umkehren ist es schon richtig hell und um den Tamarin-Fluss ist alles als satt grün. Nach gut zwei Stunden sind wir wieder zurück am Ausgangspunkt, steigen aus und gehen die paar Schritte hoch zu unserem AirBnB.

   Dann ist um kurz vor 9 gibt es dann das ersehnte Frühstück auf der kleinen Terasse vor der Wohnung. Bevor wir zu den Tamarin-Wasserfällen aufbrechen, bleibt dann nur noch zusammenpacken und einladen und ab geht es auf die Landstraße. Leider sind sich Google Maps und die Bauarbeiten auf der Straße heute ziemlich uneins, wir müssen drei mal wegen einer Baustelle (woher sollen wir bitteschön wissen, ob  uns "Bridge closed" betrifft oder nicht?) Wir sind da auch nicht die einzigen, die (auf der Beifahrerseite) mit Handy in der Hand rätsel und kurz darauf umkehren.

   Bedingt dadurch müssen wir durch ziemlich kleine Sträßchen, was bei GItta den Adrenalinspiegel deutlich nach oben treibt. Zum Glück kann sie sich mit der Aufgabe als Navigator ein bisschen ablenken. Aber wäre doch gelacht, wenn wir uns dank der Technik nicht zu unserem Ziel durchschlagen könnten. Dort angekommen, drängen sich gleich ein paar Führer auf, wir wollen das aber lieber auf eigene Faust probieren und machen uns erst mal auc die Suche nach einem Parkplatz. Ist nicht ganz so einfach, wir enden dann am Rande eines Feldweges gleich hinter dem letzten schon dort geparkten Auto.

   Dann mal die Wander-App and und los geht es, erst einen ziemlich breiten Weg weg von der Straße und dann einen kleinen Pfad ins Gehölz, der kurze Zeit später steil abfällt. Nach einiger Kraxelei - fast so steil wie gestern auf dem Le Morne - enden wir oben am ersten Wasserfall und wundern uns, wie das weitergehen soll. Direkt neben dem Wasserfall seilt sich eine Gruppe an der senkrechten Wand ab und wir finden auf der anderen Flussseite einen Pfad, der aber noch steiler duch den Wald  - und dieses Mal mit lehmig-matischigem Untergrund - runtergeht. Das probieren wir eine Weile, dann kommen uns aber Bedenken, ob das eine gute Idee ist und entscheiden uns, umzukehren.

   Also wieder zurück über den Fluss, den steilen Hang auf allen vieren wieder hoch, den großen Weg etwas weiter hinter und dann noch ein Versuch, dieses Mal unversehrt runterzukommen. Das Ergebnis ist das gleiche: nach ca. 15min geben wir auf und klettern wieder hoch. Kriegsrat: noch mal zurück in die Ortschaft und den Weg vielleicht anders rum gehen? Wir entscheiden uns dageben, weil die beiden Touren gestern und vorgestern sowie die Kraxelei von heute stecken und doch in den Knochen. In den letzten Tagen hat uns jemand von dem botanischen Garten in Port Louis erzählt, das liegt fast auf dem Weg, also probieren wir das. 

   Eine gute halbe Stunde später sind wir dann über verschiedene Wege, von kleinen, ganz engen Stad-Sträßchen bis hin zu einer dreispurigen Stadtautobahn am botanischen Garten, an dem ich - natürlich - erst mal vorbeifahre. Also erst noch einmal um den Pudding und dann sind wir auf dem Parkplatz angekommen. Wir löhnen den Eintritt - 300 Rupien für Touristen, 25 für Einheimische! - und machen uns erst mal mit dem Plan vertraut und genießen auf einer Bank im Schatten das Vesper, das wir eigentlich an den Wasserfällen genießen wollten. Irgendwie merkt man, dass hier noch Winter herrscht, so furchtbar viel macht der Garten nicht her, ein paar tolle Seerosen, die großen Schildkröten und eine Ente mit Jungen nehmen wir dann aber doch noch gerne mit. Vielleicht sind wir auch nur einfach platt von dem Tag bisher und setzen uns wieder ins Auto, treten die Rückreise zum Hotel an.

   Kurz davor noch schnell das Leihauto auftanken und dann im Hotel erst mal ausgiebig in die Dusche. Mir haut es danach auf dem Bett die Augen zu (4:15 lässt grüßen) und gegen halb 6 machen wir uns dan mit dem restlichen Wein und zwei Gläsern auf runter zum Strand und genießen den Sonnenuntergang - heute leider ohne Muski aber nicht minder schön. Das mit dem Auto zurückgeben klappt auch easy, wir sollen den Schlüssel an der Rezeption abgeben und auf meine Nachricht, dass wir einen Schaden auf der linken unteren Seite und am hinteren Kotflügel haben, kommt zurück: "no worries". Na prima, dann sind wir diese Sorgen auch los, gut dass wir einen Tarif ohne Selbstbeteiligung abgeschlossen haben.

   Wir beschließen den Tag mit dem gewohnt leckeren Essen vom Buffet und nehmen uns folgendes fest für morgen vor: NIX!

Sonnenuntergang