"Just smile" - ein weiterer Tag unter dem Motto, dass einem jeden Tag aufs neue ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Da komme ich später noch mal darauf zurück.
Zuerst einmal heute früh wieder Kaffee im Bett, einpacken, duschen und ab geht es die letzten Kilometer Richtung Süden, heute geht es auf den Le Morne de Brabant am Südwestzipfel von Mauritius. Unterwegs stoppen wir noch in La Gaulette an einem Supermarkt und nehmen noch ein paar Dinge für das Vesper mit.
Kurz vor Schluss leitet mich meinen Navigatorin (=Gitta) nach rechts in einen Weg und richtig, dort steht auch ein Schild zum Parkplatz am Beginn der Trails auf den Le Morne. Der ist aber so abenteuerlich mit Schlaglöchern und herausstehenden Brocken übersäht, so dass wir an einem wilden Parkplatz (dort stehen auch ein paar andere Autos) stehenbleiben und die noch verbleibenden 800m zu Fuß zurücklegen. Wir kommen noch ein bisschen ins Stutzen, als ein Polizeiauto kurz nach uns anhält (ob man hier wohl parken darf?). Die fahren aber kurz darauf weiter, so dass es wohl kein Problem gibt.
Am Fuße des Trails müssen wir uns mit Namen, Uhrzeit und Telefonnummer eintragen, bevor man uns reinlässt. Dann geht es endlich raufwärts, erst schön durch den Wald, zum Glück etwas im Schatten der Bäume, aber dank der Luftfeuchtigkeit kommen wir nahezu sofort ins Schwitzen. Immer wieder öffnen sich auf der Seite Durchblicke durch den Wald mit einem atemberaubenden Blick nach unten auf den Ozean. Wir nutzen das immer wieder für ein paar tolle Erinnerungsfotos.
Nach knapp zwei Stunden kommen wir an ein weiteres Tor, nachdem der Weg auch langsam immer steiler wurde. Wir setzen uns links neben dem Weg ab, um ein bisschen zu rasten. Hier um die Ecke geht es schon ziemlich steil ziemlich weit runter und der Ausblick nach oben sieht noch steiler aus, deswegen beschließt Gitta, hier zu bleiben und ich gehe alleine weiter. Und ich denke, das war gut so, der Weg wird immer steiler und ich muss auf allen vieren raufwärts kraxeln. Zwischendrin beim Blick nach unten holt mich dann meine Höhenangst immer wieder ein und beim Gedanken, hier wieder runter zu müssen, wird mir doch ziemlich mulmig im Bauch. Aber aufgeben mag ich hier auch irgendwie noch noch, also konzentriere ich mich auf den Blick nach oben und auf die nächsten Paar Schritte. Hier oben ist so viel los, dass man immer wieder mal warten muss, dass es auf dem engen Weg - oder besser Steig - weiter geht. Und das alles in der prallen Sonne, da fließt der Schweiß nur so in Strömen und das Klettern geht ganz schön in die Knochen.
Nach einer guten dreiviertel Stunde fast durchweg Klettern komme ich an einen Sattel mit Aussichtspunkt. Von dort aus sieht es so aus, als ob die Kletterei noch steiler durch die Felsen geht und ich komme schwer ins Grübeln, ob ich noch weiter gehen soll. Zum einen wartet Gitta unten und ich will sie nicht länger als notwendig dort alleine sitzen lassen. Zum anderen graust es mir vor dem Abstieg. Dazu kommt noch, dass mir der Aufstieg bis hierhier schon ziemlich in die Knochen gegangen ist. Also erst mal hinsetzen und den Rucksack und die Kamera so hinstellen, dass sie nicht in die Tiefe rutschen - und die Aussicht genießen. Das hat schon fast was vom Blick aus dem Flugzeug, wenn es knapp unter Deinen Füßen gleich den Abhang hinuntergeht. Nach ein paar Minuten Rast treffe ich dann eine Entscheidung: das reicht bis hierher, ich gehe nicht weiter und drehe um.
Ganz so schlimm wie befürchtet wird es dann doch nicht, es geht - auch jetzt auf allen vieren, unter Einsatz des Hinterteils langsam, aber ohne großen Gefahreindruck runter. Der Verkehr ist aber hier oben eher noch stärker geworden, dass es runterwärts eher noch langsamer als rauf geht. Ein paar knifflige Stellen sind drin, aber nach ca. eineinhalb Stunden bin ich wieder zurück bei Gitta. Dort erst mal das Adrenalin abbauen und ein trockeneres T-Shirt anziehen, bevor wir an Abstieg runter zum Auto antreten.
Nach einer weiteren knappen Stunde sind wir dann unten am Einstieg, gehen kurz um die Ecke, tragen uns aus der Liste wieder aus und kommen dann ziemlich erschöpft beim Auto an. Wanderstiefel runter, bequeme Schuhe an und ganz vorsichtig den Hoperweg zurück zur Straße Richtung Tamarin. Auf dem Rückweg halten wir noch mal beim Supermarkt in La Gaulette, trinken lecker Cappuchino, essen ein Eis und nehmen für heute Abend zwei belegte Baguettes mit.
Am Haus angekommen, beschließen wir noch, beim großen Supermarkt hier in Tamarin vorbeizuschauen und nach einer wasserdichten Handytasche für die Kajakfahrt morgen früh und ein paar Schlappen für mich zu schauen. Dort angekommen werden wir auch fündig und auch hungrig. Also probieren wir hier auf der Fressmeile in der Mall die Küche aus und werden nicht enttäuscht - superlecker wie fast immer hier. Dann noch kurz den nicht ganz ungefährlichen Weg runter zum Quartier und unterwegs beschließen wir, mit einer Flasche Wein noch mal den Sonnenuntergang am Meer zu genießem.
Das war die wohl beste Entscheidung heute, der Wein (auf dem Etikett prangt: "just Smile" - siehe oben) und das Gesamtpaket aus Wein, Sonnenuntergang, entspannnter Stimmung und Reggaemusik aus dem Ghettoblaster von ein paar jungen Kerlen zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht und wir kommen aus dem Schwelgen nicht mehr raus. Besser kann ein Tag nicht enden!
Morgen geht es dann früh raus zur Kajaktour auf dem Tamarin River.
