„Elect a Clown, expect a Circus“. (Wählt einen Clown, erwartet einen Zirkus). Das war der Spruch des Tages heute morgen auf dem Weg hinter in den Little Cottonwood Canyon mit dem Ziel Snowbird.

   Nachdem mir meine Vermieterin gestern geraten hatte, möglichst früh loszufahren und ich auch schon um fünf nicht mehr schlafen konnte, bis ich dann um zwanzig nach sieben los. Unten in Salt Lake City sah es noch nicht wirklich nach Schnee aus, aber ein Blick auf die Berghänge sagt, dass es weiter oben schneit. Am Taleingang dann die Bestätigung: man darf nur mit Allrad oder Ketten hochfahren – ähnlich wie wir es letztes Jahr in Tahoe erlebt haben. Teilweise geht es nur ziemlich schleppend vorärts, dann aber kurz darauf wieder ganz normal weiter – keine Ahnung, warum.

   Um kurz vor acht bin ich dann oben am Parkplatz, dort liegen ca. 10 cm Schnee, der auch ziemlich locker aussieht – vielversprechend. Also schnell in den Pullover, die Stiefel, die Jacke und den Helm und los. Zum Glück habe ich schon ein Ticket und muss mich nicht an der Kasse anstellen, ich gehe direkt weiter zur Gondel und stelle mich in die Schlange. Um 20 vor neun kommt dann Bewegung rein und wir dürfen rein ins Gebäude, müssen aber weiterhin warten, obwohl die Gondel zwei Mal – nur mit Angestellten beladen – losfährt. Kurz vor 9 wird dann ein Schild aufgehängt: „Experts Only“. Das scheint aber niemanden zu interessieren oder es sind alles Experten in der Schlange. Um Punkt 9 lassen sie dann einsteigen, fünf Leute vor mir wird dann leider abgeriegelt – so viel zu dem Thema mit der ersten Gondel hoch. Die nächsten kommt bestimmt und richtig, in die komme ich dann auch rein und schwebe mit einer großes Anzahl von Gleichgesinnten ganz nach oben.

   Oben angekommen, orientiere ich mich erst mal und beschließe dann, es zuerst im Mineral Basin – einen Kessel auf der Rückseite des Berges – zu probieren. Ui, der Einstieg ist ganz schön steil. Das gilt auch für den Rest des Hanges – soweit man das bei dem Nebel erkennen kann. Was der absoluten Hammer ist, ist der Schnee: ca. 20cm fluffiger Pulverschnee auf einem festen Untergrund. Da kann man fast fahren wie auf der Piste nur staubt der Schnee einfach davon. Ein Traum, deswegen bin ich hier. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das ganz schön in die Knochen geht und mir ziemlich warm wird. So warm, dass meinen Sonnenbrille dauernd beschlägt und von innen nass wird. Zusammen mit dem Nebel ist das nicht unbedingt die Musterlösung. Ich beschließe also, noch mal zum Auto runter zu fahren, meinen Pulli auszuziehen und es mal mit meiner alten Skibrille zu versuchen. Der Weg zum Auto ist nicht ganz ohne Irrungen, ich schaffe es dann aber doch, meinen Plan in die Tat umzusetzen und fahre kurz darauf wieder hinauf. Bei einem der Lifte unten weist mich ein Angestellter darauf hin, dass um halb drei die Straße aus dem Tal raus wegen Lawinensprengung geschlossen wird.

   Wie jetzt? Was passiert, wenn ich nicht bis dahin draußen bin, muss ich dann die Nacht da oben verbringen. An einem anderen Lift steht: Sperrung von 2:30 bis ca. 4h (erwartet). Das muss ich dann doch noch mal klären und spreche einen der Angestellten an: nein, normalerweise machen die auf jeden Fall wieder auf, es kann nur sein, dass sich dann eine ziemliche Schlange den Berg hinunterwalzt.  

   Der erste Versuch, gegen 12 Mittag zu machen, scheitert am Andrang in der Hütte. Also beschließe ich, noch mal hochzufahren, diesmal mit dem parallel zur Gondel laufenden Sessellift und nehme von dort aus den Tunnel (mit Förderband) zurück nach Mineral Basin. Der Schnee dort ist immer noch top, nur meine Muckis schreien nach einer Pause. Gegen eins starte ich dann den zweiten Versuch und werde ganz oben im Restaurant fündig und hole mir noch einen Kaffee und einen Cookie. Das Vesperbrot habe ich zusammen mit der Kamera heute im Auto gelassen. Das tut gut und ich ruhe mich eine ganze Weile dort oben aus und breche gegen zwei wieder auf und teste die verschiedenen Optionen entlang des langen Sesselliftes. Das geht teilweise ganz schön steil durch die Bäume, macht aber immer noch so richtig Laune. Nachdem ich davon ausgehe, dass die Straße erst gegen vier wieder aufgemacht wird, reize ich es aus und fahre durch bis um vier. Allerdings werden die Erholungspausen in den Abfahrten immer häufiger, weil sonst fangen meine Muskeln das Glühen an. Um kurz nach vier komme ich dann wieder unten an und tappe – vollkommen erledigt, aber glücklich - zum Auto.

   Die Fahrt runter zieht sich etwas, zum Teil geht es fast nur im Schrittempo voran, zwischendurch aber unerklärlicher Weise aber auch wieder zügig. Dann noch mal schnell zum Supermarkt und Nachschub für Müsli und Joghurt und an die Tanke, weil das Auto der Meinung ist, dass im linken Vorderreifen zu wenig Luft ist. Das Messgerät an der Tanke sagt (nachdem es $1.60 von meiner Kreditkarte abgebucht hat) 30psi, 35 sollten es sein. Also fülle ich entsprechend nach, die Anzeige im Auto sagt aber immer noch was von 28 psi. Wer hat nun Recht?

   Unten an der Wohnung beschließe ich, dass heute der Tag ist, den heißen Whirlpool im Garten mal anzuprobieren, also den Deckel runter und rein. Ein Gedicht, genau das richtige für die geplätteten Muckis. Was allerdings den Komfort etwas einschränkt, ist der kalte Regen, der auf meine Platte tropft. Dementsprechend halte ich es auch nicht so lange drin aus. Ich denke, heute Abend werde ich bestimmt nicht alt. Morgen will ich noch mal rauf nach Snowbird, nachdem eine Recherche heute Mittag ergeben hat, dass die Tickets für Powder Mountain auch für morgen ausverkauft sind. Dann also am Dienstag noch mal dorthin.