„The greatest Snow on Earth“ – das behaupten die Einwohnung von Utah (oder zumindest die Marketing-Abteilung) und ich muss sagen: sie haben Recht! Das war am Sonntag zu erahnen, aber heute kam das Sahnehäubchen noch dazu: die Sonne.
Aber von Anfang an. Auch heute habe ich nicht viel länger geschlafen und bis demzufolge schon gegen halb acht Abmarschbereit. Noch ein kurzer Blick auf die Twitter-Seite der Straßenverwaltung: nichts zu sehen von einer Sperre, also nichts wie los. Ein Blick in den Himmel ist vielversprechend, die Sonne ist schon da und kaum Wolken am Himmel. Auf der Anfahrt zu Canyon bietet sich ein toller Blick über das Tal von Salt Lake City und die auf der anderen Seite des Tals liegenden Berge.
Kurz nach acht bin ich dann am Parkplatz, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Early Birds, so dass ich heute auch nicht viel weiter oben stehe als am Sonntag. Die Schlange an der Gondel spare ich mir heute früh und nehme den Peruvian Chair und den Tunnel auf die Rückseite nach Mineral Basin. Von dort oben kann man gut sehen, dass sich schon viele aufgemacht haben, den frischen Pulverschnee zu erfahren. Nachdem das am Sonntag schon ganz gut geklappt hat, reihe ich mich in die Schlange ein die sich am oberen Rand des Kessels entlangschiebt. Beim ersten Mal bin ich noch etwas vorsichtig und biege nach links den Berg runter ab: der absolute Traum, man kann ganz einfach durch den Pulver schwingen, der nimmt automatisch zu viel Fahr weg, der Schnee staubt nur so und ganz weich gleitet man durch die Landschaft. So habe ich da wirklich noch nie erlebt – beeindruckend und das zaubert einem ein Dauergrinsen auf die Lippen.
Weil’s so schön war, gleich noch mal, dieses Mal bleibe ich noch länger am oberen Rand und schwinge an einer anderen Stelle – diesmal zwischen weit auseinander stehenden Tannen – den Hang hinab. Unten angekommen zeigt sich der einzige Fleck auf der Sonne des Tages: nachdem viele wissen, wie schön es hier hinten sein kann, ist die Schlange am Lift auch entsprechend lang. Aber das bietet auch die Option, ein bisschen durchzuschnaufen und die Sonne zu genießen.
Aus diesem Grund verlasse ich dann Mineral Basin und versuche noch ein paar weitere Hänge. Auch hier, neben der Piste traumhafte Verhältnisse, vielleicht nicht ganz so tief, aber eine wahre Pracht, wie der Schnee davonstaubt – gepaart mit einer Wahnsinns-Aussicht. Nachdem ich dann einige Zeit später noch mal durch den Tunnel ins Mineral Basin reinfahre, sehe ich, dass inzwischen (nach einigen Lawinensprengungen, die den Morgen zerdonnern) ein weiter hinten liegender Teil des Kessels freigegeben wurde – vorhin war da noch ein Stoppschild. Also reihe ich mich noch mal in die Schlange an der Traverse ein und fahre diesmal ganz nach hinten, von wo aus man ins Nachbartal auch noch reinschauen kann. Da oben am Sattel, als ich noch ein paar Schritte weiter gehe, ist es auf einmal mucksmäuschenstill. Den Augenblick und die Aussicht muss man einfach auf sich wirken lassen. Ein weiterer Skifahrer teilt die Aussicht mit mir und macht auf meine Bitte hin auch ein Foto von mir.
Auch hier wieder der gleiche Traum: weiches schwingen durch den tiefen Schnee und einfach nur genießen. Jetzt weiß ich, was die Amerikaner unter einem Powder Day verstehen. Meine Muckis allerdings schreien jetzt langsam nach einer Pause und ich schwinge die Pisten auf der Vorderseite runter ins Snowbird Center, wo ich heute Morgen ein paar Sessel und Couches entdeckt habe. Dort sichere ich mir dann einen Platz zum Ausspannen auf einer Couch, vespere mein Jalapeno-Cheddar-Schinken-Bagel und hole mir dazu einen Cappuccino. Wie immer kommt man hier Ratzfatz mit den Banknachbarn ins Gespräch (diese mal mit einer Familien aus Kalifornien und einer Angestellten, die aus Orange County stammt – dort wo Siemens auch einen großen Standort hat, den ich schon ein paar Mal besucht habe.
Nach der ausführlichen Mittagspause nehme ich diese Mal die Gondel ganz rauf und halte mich links und rutsche zuerst und laufe dann mit den Skiern auf der Schulter den Grat entlang, soweit es geht. Und dann wieder durch den unberührten Schnee den Hang hinunter. Oben genau so toll wie in Mineral Basin, aber je weiter es runtergeht, desto schwerer lässt sich der Schnee schieben. Vielleicht liegt das auch an meinen gute beanspruchten Muskel, so dass ich dann den Rest des Tage auf den Piste verbringe – meinen Muskel und der Gesundheit zuliebe. Um kurz vor vier reicht es dann und ich fahre ab zu Auto. Auf dem Heimweg noch schnell im Supermarkt vorbei und Vorräte ergänzen und dann die heiß Dusche in der Wohnung ausführlich genießen.
Fazit: einer der besten Skitag, den ich bisher erlebt habe, das Dauergrinsen will einfach nicht aufhören. Heute Abend gibt’s lecker Steak und morgen geht es dann noch mal nach Brighton, da habe ich noch mal ein Superday-Ticket erstanden.