Na, Achterbahn fahren ist ein Dreck gegen die Berg- und Talbahn, die wir heute hinter uns gebracht haben.
Jedes mal, wenn man glaubt, oben zu sein, dann kommt entweder noch eine Steigung, oder es geht runter. Aber nur, um gleich wieder hoch zu gehen. Aber zumindest ist heute das Wetter besser als gestern. Es kühlt zwar über Nacht ziemlich ab, aber die Sonne spitzt durch die Wolken und vertreibt den Dunst recht schnell. Frühstück für uns steht schon auf dem Tisch, typisch französisch: Baguette, Marmelade, Butter, Honig, Orangensaft und Kaffe. So gestärkt machen wir uns auf die Socken. Das Verabschieden gestaltet sich etwas schwierig, weil unser Vermieter im ersten Stock saugt und uns nicht hört. Aber nach ein paar Versuchen regt sich was und er kommt runter.
Und gleich am Anfang geht es hoch, an so mancher Abzweigung, die uns Google Maps vorschlägt, verweigern wir, weil wir mit dem Rennrad weder über einen Feldweg fahren wollen, noch über Privatgrund. Aber zum Glück lässt sich Google dann schnell davon überzeugen, einen anderen Weg zu fahren.
In Saint Nic holen wir uns beim Bäcker ein paar süße Teilchen und genießen die unten in der Sonne am Strand. Wenn man sich knapp vor die Steine setzt, dann ist es sogar etwas windgeschützt und schön warm. Wir genießen das Rauschen der Wellen (und dass wir nicht mit kleinen Kindern unterwegs sind, die sich plärrend an den Strand stellen und sich von Papa abholen lassen...). Kurz dahinter meint Google dann, wir könnten am Strand entlang fahren, aber ein Trampelpfad am Strand ist dann doch nicht die Musterlösung.
Einen Vorteil hat es, dass wir immer wieder nach oben fahren müssen: Man hat des öfteren eine tolle Aussicht über die Küste und die kleinen Buchten. Ganz zu schweigen von den vielen kleinen süßen Häuschen die hier in der Landschaft verteilt sind. Und nicht zu vergessen die vielen kleinen alten Kirchen, die es zu bewundern gilt. Als wir aus einer wieder rauskommen, treffen wir auf zwei ältere Herren, die unsere Räder bewundern. Einer erzählt uns, er ist (früher wohl) von Brest nach Paris und zurück in 27 Stunden gefahren. Da muss er aber deutlich fitter gewesen sein, uns haben schon gestern die knapp 50 und heute gut 30 km am Tag gereicht.
Gegen 5 am Nachmittag haben wir es dann endlich geschafft und wir kommen in Douardenez an. Erste Amtshandlung: ab in die Tourist Info und nach einem Zimmer fragen. Die freundliche Dame, die sogar ganz gut deutsch spricht, telefoniert für uns rum, allerdings bei den ersten beiden, die unten in der Stadt sind, ohne Erfolg. Dann müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen und etwas außerhalb schlafen. Auch der Weg dorthin ist mit Hindernissen gepflastert. Google Maps und die Landkarte sind sich nicht ganz einig und wir irren etwas durch die Gegend. Zum Schluß schieben wir dann eine Straße hoch, von der wir überzeugt sind, dass sie ins Manoir der Kervent führen muss und nach einer schweißtreibenden Schieberei kommen wir dann doch noch an. Aber wir werden auch belohnt dafür: Das Quartier ist ein altes Herrenhaus in einem Park. Der Vermieter lässt uns die Auswahl aus zwei Zimmern und wir ziehen den roten Salon der türkisen Kammer vor. Wir können sogar die Küche mit benutzen und einen Kaffee gibt es auch gleich. Nachdem wir das eh im Auge hatten, buchen wir uns hier gleich für zwei Nächte ein, dann gibt es morgen einen Ruhetag vom Radeln.