Dann geht es heute mal nicht mit dem Fahrrad los. In meiner festen Überzeugung fahre ich ohne Navi los, erst mal rauf nach Colmar und dann muss es irgendwo nach links weg in Richtung Ribeauville gehen. 

   Mit dem Ergebnis, dass wir nördlich von Colmar, uns auf einmal auf der Autobahn Richtung Mühlhausen befinden - also in der falschen Richtung. An der nächsten Ausfahrt wieder runter und den gleichen Abschnitt gleich noch ein Mal. Beim zweiten Versuch klappt es dann besser und kurz nachdem wir Colmar - diesmal endgültig - verlassen haben, taucht auch der erste Wegweiser nach Ribeauville auf. Einen Parkplatz finden wir dort auf Anhieb am Straßenrand und kurz drauf tappen wir durch die Sonne Richtung Altstadt. Die ist mal so richtig einen Besuch wert:,  süße kleine Häuser, alle rausgeputzt mit Blumen und in allen erdenklichen Farben. Das wollen außer uns noch eine ganze Reihe anderer Leute sehen und dementsprechend vorsichtig muss man dann beim fotografieren sein, ständig läuft einem jemand vor die Linse. Etwas besser ist es im Quartier Pittoresque, dorthin verirren sich kaum noch Leute, hier kann man eher entspannen. In der Ortschaft ist alles entlang einer langen Hauptstraße angelegt und wir müssen da einfach einmal rauf- und wieder runterlaufen. Nur oben bei der großen Kirche laufen wir eine kleine Schleife. Was wir nicht finden, ist einen gemütlichen Platz zum Vespern, deswegen laufen wir wieder zurück zum Auto und machen uns auf zur nächsten Empfehlung unserer Hausherrin, nach Riquewihr. 

Auf dem Weg dorthin zweigen wir dann noch ab in Richtung Hunawihr, wo wir zuerst den Schmetterlingspark links liegen lassen und weiter hinter fahren, wo wir eine Kirche auf einem Beg gesehen haben. Zu der Kirche kann man fast ganz hoch fahren und vom Friedhof dort oben hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Rheinebene. Im Hintergrund kann man die Berge des Schwarzwaldes erkennen. Die Bank auf dem Friedhof erscheint uns dann doch etwas pietätlos als Vesperplatz, also lassen wir uns außen an der Friedhofsmauer im Schatten auf der Wiese nieder und machen Mittagspause. Der Abstecher hier rauf war goldrichtig.

   Ein paar Kilometer weiter kommen wir dann in Riquerwihr an, hier ist das Parken etwas mehr organisiert, hier muss man sich ein Parkticket holen und dabei noch das Kennzeichen eingeben. Dementsprechend lang ist dann auch die Schlange am Automaten. Die kleinen Gässchen hier entschädigen dann wieder für den kleinen Aufwand. Auch hier ein süßes Häusschen am nächsten, jede Menge Weinhändler und eine große Anzahl an Touristen. Das Dorf hier ist eher rund angeleget, es gibt einen Weg mittendurch und einen Rundgang außenrum. Auch hier: Daumen hoch, Riquewihr ist eine Reise wert.

   Danach hatte ich mir eingebildet, Munster muss auch noch auf unerer Besuchsliste stehen, ist zwar etwas abgelegen aber geht ein schönes kleine Tal hinter in die Vogesen. Gitta will mir dann nicht glauben, dass wie eben an einem Skiverleih verbeigefahren sind, auf dem Runterweg später kann ich sie dann aber doch noch überzeugen. Allerdings schwant mir schon beim Hinterfahren: "Hoffentlich habe ich mir da nicht was eingebildet, was gar nicht ist." Und so falsch lag ich damit - leider - nicht. Das Auto am Parkplatz abgestellt und in Richtung der Kirche hochgelaufen. Von außen macht die einige her, ein ziemlich großes und aufwändiges Gebäude. Drinnen macht sich dann aber Ernüchterung breit. Hier ist alles auf das Notwendigste beschränkt, fast schon kahl. Ähnlich geht es dann draußen weiter auch an der Hauptstraße ein paar schöne Häuser, aber kein Vergleich zu den rausgeputzten Dörfchen weiter unten. Also lassen wir das schnell hinter uns und fahren wieder runter zur nächsten Empfehlung unserer Vermietering, nach Eguisheim.

    Hier bekommen wir wieder, was wir uns erhofft hatten: ein puppiges Dorf zum gemütlichen Durchschlendern. Am Parkplatz gibt es hier einen Pauschalpreis und von dort aus ist es nicht weit zu Laufen in die Altstadt. Das hier ist wohl fast die schönste, weil noch ursprünglichere Ortschaft, das Kopfsteinpflaser ist mehr als holprig, auch hier kann man schön im Kreis durch den Ort bummeln, die Schaufenster durchgucken und den Anblick genießen. Am Schluss bleiben wir dann noch in einer Kneipe, in einer ruhigen Gasse hängen und genießen ein dunkles Bier (für mich, mit einer Geschmacksmischung aus  Malz, Früchten und einem Hauch Cola) und Crémant (eine Art Sekt, Schaumwein, Prosecco für Gitta) und lassen den Tag ausklingen. Auf dem Heimweg holen wir uns noch eine Tüte Nudeln zu unserem Rest Gemüsepfanne und erholen uns von der Marschiererei auf der Couch. Der für Nachmittag angesagte Regen kommt dann erst in der Nacht. Morgen geht es dann auf eine Wandertour, mal sehen, was uns da erwartet.