"Jedes Mal das Gleiche - eine Nahtod-Erfahrung ist immer dabei." - so Gitta's Behauptung am Ende des Tages. 

   Jetzt fragt Ihr Euch, was wohl passiert ist. Angefangen hat alles ganz normal, ein Kaffee im Bett (aus der neuen Kaffeemaschine), dann auch pünktlich runter zum Frühstück und gegen halb zehn sitzen wir im Auto und fahren über Soulzmatt und Munster rauf zum Col de la Schlucht. Dort haben wir eine Rundtour ausgesucht, die noch eine gute Stunde länger dauern soll als die Runde gestern.

   Der Einstieg ist schnell gefunden und wir steigen durch den Wald hoch auf den Bergrücken rauf über den Spitzenfels und den Tanet. Von dort oben jagt ein toller Ausblick den nächsten über die Berge und das dahinterliegende Rheintal. Im Vergleich zu gestern hängen leider ein bisschen mehr Wolken am Himmel, die auf der einen Seite den Ausblick etwas trüben, aber auf der anderen Seite die Bilder etwas dramatischer gestalten.

   Nach gut zweieinhalb Stunden haben wir den hintersten Punkt der Tour erreicht und steigen hinab zum Lac Vert. Der ist so grün, wie er heißt und er bietet uns sogart eine Bank, um unsere wohlverdientes Vesper (inclusive des Pizza-Rests von Gittta gestern) zu genießen. Baden sollte man hier allerdings nicht, da steht ein goßes Schild, dass man zwecks irgendwelcher Bakterien sich vom Wasser fernhalten soll. Na zum Glück haben wir unser Trinkwasser selber mitgebracht (oder besser: im Rucksack hochgeschleppt).

   So gestärkt treten wir den Weg quer am Hang entlang zurück. In Tanet bewundern wir die Skilifte (ja, im Winter gibt es hier eine Reihe von Liften und Pisten) und wundern uns, wie im Winter der eine Schlepplift über Stock und Stein da rauf gehen soll. Wie schon auf der ersten Hälfte geht es imme ein bisschen rauf und runter, aber hält sich alles in Grenzen. Kurz vor dem Hirschenstein rätseln wir: Hier ist es nach oben zum Col du Lac ausgeschrieben, der in Komoot aufgezeichnete Weg geht aber unten rum. Wir entscheiden uns für unten rum, weil wir glauben, dasss es so etwas weniger rauf und runter geht. Eine Entscheidung mit Folgen...

   Ein paar hunder Meter weiter stoßen wir auf eine Treppe aus Eisen nach unten, die uns schwer an die "Stiegen des Todes" auf Madeira erinnert. Aber das haben wir dort auch geschafft, also klappt das auch hier. Also schön langsam runter und unten quer am Hang weiter und gleich wieder rauf. Wir denken, dass wir das schlimmste hinter uns hätten, aber weit gefehlt. Der Weg - gerade einmal zwei Füße breit - schlängelt sich durch den steilen Hang, den man besser nicht runterschaut. Zm Glück gibt es an fast allen Stellen ein stabiles Eisen-Geländer, an dem man sich gut festhalten kann. In diesem Stil geht es hoch eine ganze Weile und dann wird der Weg wieder breiter und der Hang etwas weniger steil. So viel zu Gitta's Spruch zwecks der Nahtoderfahrung von heute morgen.

   Noch ein kurzer Anstieg, und dann haben wir den letzten Aussichtspunkt, an dem wir einen jungen Franzosen bitten, noch ein Foto von uns zu machen. Dann noch mal mit ein paar Irrungen rauf durch den Wald und dann landen wir wieder auf dem weg, den wir heute morgen rauf gestiegen sind und etwa 20 Minuten später sind wir nach gut sechs Stunden Gehzeit zurück am Auto - total erledigt, aber sehr zufrieden mit der schönen Tour und mit uns, dass wir die Kletterei gut überstanden haben.

   Zurück in Ohrschwir probieren wir noch von dem Wein der Hausherren und bestellen nock eine Kiste für morgen zum mitnehmen. Den Tag ausklingen lassen wollen wir dann in der Dorfwirtschaft, in der wir gestern zwecks Ruhetag keinen Platz bekommen hatte. Nach etwas Kauderwelsch auf Französisch stellt sich heraus, dass die Bedienung auch ein bisschen deutsch spricht, was die Auswahl aus der Speisekarte deutlich vereinfacht. Wir entscheiden uns für Lachs und Pfeffersteak und eine Weile später genießen wir unser wohlverdientes Abschluss-Abendessen - einfach perfekt. Am Tisch neben uns lässt sich eine Paar ein Fondue schmecken. Nachdem die fertig sind, kommt der Kellner mit einem geheimnisvollen Schnaps und schenkt die Fondue-Bouillon in Tassen aus. Irgenwie kommen wir mit unseren Nachbarn (mehr oder weniger auf französisch) ins Gespräch mit dem Ergebnis, dass sie uns spontan auch je eine Tasse ihrer Brühe zukommen lassen. So ein lieber Zug von völlig Fremden im Lokal! Schmeckt auch super-lecker, vielleicht ist uns da etwas entgangen, aber auch unser Essen war jeden Cent wert.

   Sehr beschwingt von dem netten Erlebnis schlendern wir wieder zurück in unser Quartier für die letzte Nacht. Morgen geht es dann weiter nach Sarnen.