OK, dann ist es heute wohl soweit: Die Tour, die wir uns als Highlight für den Urlaub in etwa in die Mitte gelegt hatten, ist dann heute am letzten Tag fällig.

   Aber: Krankheitsbedingt bin ich der einzige, der sich heute morgen auf den  Weg macht um unseren Guide - Dario - in Trecastagni zu treffen. Allerding bin auch ich nicht mehr ganz fit und hoffe, dass die Kraft für den Tag heute reicht. Die Bilder in Airbnb schauen toll aus und wir sind für 8:30 in Trecastagni verabredet. Dank Google Maps klappt die Anfahrt auch prima und ich bin mit minimaler Verspätung am Treffpunkt auf der Piazza. Dario und Basilio - sein Partner - sind schon da und begrüßen mich herzlich. Ich steige um in ihren Van und wir fahren noch ein Stück weiter nach Zafferana, wo wir noch zwei weitere Teilnehmer - Hilaria und Stefano - mitnehmen wollen. Die beiden sind noch nicht da, so laufe ich mit der Kamera noch ein bisschen herum und bewundere die Kirche, die Piazza und den Park mit Springbrunnen.

   Um kurz nach 9 tauchen die beiden dann auf und wir fahren weiter rauf auf die Nordseite des Ätna zu einer kleinen, bewirtschafteten Berghütte (Rifugio Citelli), wo wir das Auto stehen lassen und von dort aus zu Fuß weitergehen. Nachdem Basilio besser Englisch spricht als Dario, teilen wir die Gruppe auf und ich gehe mit Basilio zu zweit los. Er warnt mich zuerst vor einer süß aussehenden Pflanze, die zwar weich ausssieht, am oberen Ende aber einen ziemlich spitzen Stachel hat. Also: besser auf Steine, als auf diese Pflanze setzen!

   Im ersten Teil der Wanderung geht es durch einen Birkenwald. Im Gegensatz zu den Alpen, wo in höhreren Lagen Nadelbäume vorherrschen, sind es hier Birken und je weiter man nach oben kommt, desto kleiner werden sie - genau wie bei den Latschenkiefern. Laut Basilio gibt es das nur hier am Ätna. Viel Schattens spenden die auch nicht wirklich, so dass der Aufstieg eine schweißtreibende Angelegeneheit ist. Verschärft wird das Ganze noch von dem locker-leichten Lava-Schotter fast überall, da läuft man fast wie auf lockerem Sand - geht also in die Muckis.

   Als wir dann aus den Bäumen rauskommen, gibt es erst mal eine Vesper-Pause. Obwohl ich schon ziemlich erledigt bin, habe ich komischerweise kaum Hunger und schaffe es gerade so, mein Brötchen runterzubringen. Zum Glück habe ich drei Liter Wasser dabei, so schnell, wie ich das rausschwitze, kann ich gar nicht trinken. Hier oben kann man sehr schön einen ehemaligen Krater bewundern (zumindest zur Hölfte - die andere existiert schon nicht mehr) und dahinter ein Lavafeld. Laut Basilio ist das ca. 6km breit und 8km - alles nur schwarz. Und trotzdem kämpft sich die Natur durch, mal sieht überall kleine grüne Stellen, wo sich Pflanzen wieder ansiedeln - ein toller Kontrast.

    Ganz rauf auf den Ätna können wir nicht, das ist laut Basilio auch nicht erlaubt, aber von hier oben hat man einen tollen Blick auf die beiden noch aktiven Krater, über denen den ganzen Tag eine Dampfwolke steht, da ist also immer noch Betrieb. Wir steigen noch ein bisschen höher und genießen den Ausblick auch runter aufs Meer, wo man im Dunst auch den Hafen von Riposto. Nach einem kleinen weiteren Anstieg geht es dann langsam wieder über ein Lava-Geröllfeld runter und wir begegnen dort dem einzigen anderen Lebewesen außer den allgegewörtigen Insekten: ein einzelnes Schaft sucht dort oben nach fressbarem Grün. Toller Kontrast von dem hellen Schaf auf dem dunklen Untergrund. Beim Abstieg ist der lockere Schotter wesentlich angenehmer als raufwärts, man sinkt leicht ein und rutscht mit jedem Schritt noch ein bisschen weiter. Das hilft zwar nicht gegen die brütended Hitze, macht das gehen aber etwas weniger anstrengend. Allerdings scheint es auch meine Wanderstiefel zu stressen, denn bei einer kurzen Trinkpause stelle ich fest, dass sich am linken Schuh die Sohle schon fast vollständig abgelöst hat. Die haben ja auch schon einige Jahre treue Dienste geleistet, hoffentlich halten sie noch bis zur Hütte runter durch. Basilio sagt mir, dass das nichts ungewöhnliches ist "Ätna is killing shoes.". Liegt wohl an dem ziemlich rauhen Lava-Schotter.

   Kurz vor der Hütte kommen wir dann wieder rein in den Birkenwald, wo inzwischen schon die Hitze steht, also die Wirkung des Schattens gegen null geht - schwitz. An der Hütte angekommen leiste ich mir erst mal einen Espresso und einen kleinen Kuchen und setze mich dann sofort in den Schatten, um auf den Rest der Truppe zu warten. Nachdem alle wieder beisammen sind, rollen wir mit Dario's altem Ducato wieder runter, setzen die beiden Römer ab und ich steige in Trecastagni wieder in meinen völlig überhitzten Citroen. Unterwegs nehmen ich beim großen M noch Abendessen für uns alle mit und bin dann mehr als froh, als ich - vollkommen erledigt - wieder im Garten unseres Hauses sitze und das Essen und ein kühles Getränk genieße. Dann noch ein bisschen zusammenpacken und den Tag ausklingen lassen. Morgen geht es wieder heim, dann hoffentlich mit etwas weniger Problemen als auf der Hinreise.