Heute schaut das Wetter nicht so prickelnd aus, als ich aufwache. Es geht ein ziemlicher Wind und der Himmel ist verhangen.

   Aber als ich nach dem Frühstück rausgehe, um nach Copper Mountain zu fahren, spitzt doch die Sonne ein bisschen durch. Ich nutze die Gelegenheit, noch Fotos vom dem Haus, in dem ich wohne und dem Blick nach oben zu machen.

   Copper Mountain ist zwei Autobahnausfahrten weiter weg als Frisco/Breckenridge, ich bin also auch in knapp einer halben Stunde dort. Diesmal habe ich im Internet vorher geguckt, ob es freie Parkplätze gibt und mir das kurz auf der Karte angesehen. So klappt das auch reibungslos, ich stelle mein Auto ab und tappe zum Pendelbus zum Lift. Ich habe Glück, der Bus kommt ein paar Minuten später und hier ist erfreulicherweise kaum (oder besser: nichts) an der Kasse los. Das im Internet gekaufte Ticket wird problemlos rausgesucht, als die Buchung auf dem Handy vorzeige. Das Ticket ist hier ein bisschen altmodisch: ein Ausdruck auf dünnem Karton und ein Kabelbinder zum Festmachen an der Jacke. Die muss man in den unteren Stationen von den Liftmenschen scannen lassen, die laufen auch hier zwischen den Leuten mit einer Scan-Pistole durch. Um mich zu orientieren fahre ich erst mal mit dem erstbesten Lift hoch und auch wieder runter: schöner, griffiger Schnee und man kann es gut laufen lassen, es sind nicht viele Leute unterwegs.

   Beim zweiten Mal hochfahren komme ich mit einem Mann in meinem Alter (soweit man das mit Helm und Brille schätzen kann) ins Gespräch, der zwei Jungs dabei hat, die vielleicht etwas jünger als Robin sind. (in der Hinsicht sind die Amis viel offener als die muffligen Europäer, man ist blitzschnell in Smalltalk verwickelt). Die überlegen noch, wo sie am Besten hinfahren wollen, wobei die Karte vom Skigebiet, die es hier auf fast allen (zumindest den neueren, es gibt auch noch eine Menge alte) Liftsesseln im Bügel angebracht ist, nutzen. Und schwuppdiwupp habe ich ein paar Buddies, mit denen ich die nächsten paar Abfahrten mache. Zuerst eine heftige Buckelpiste (moguls) runter und dann rein in die Spalding Bowl, das ist ein Kessel in dem nichts präpariert ist, wo man oben durch ein kleines Gate (manchmal fallen mir im Moment nicht die richtigen deutschen Wörter ein...) reinfährt und dann kann man sich aussuchen, wo man runter will - am unteren Ende kommen alle zusammen und es gibt einen Ziehweg der einen zur Piste runter zum Lift bringt. Das ist eine supertolle Kombination, im oberen Bericht abseits der Piste, manchmal steiler, manchmal weniger und weiter unten eine schöne Piste zum Carven und Cruisen - traumhaft. Nach drei oder vier Mal diese Kombination entscheiden sich Tom, Michael und Jeremy, runter zu fahren und Mittag zu machen (um halb zwölf). Das ist mir noch ein bisschen zu früh und ich verabschiede mich von den dreien.

   Ich drehe die Runde noch mal und fahre dann am Rand eine Piste runter zu einem Lift, den ich noch nicht hatte. Auch ganz schön, aber ein bisschen zu viele Buckel. Also wieder hoch und noch zwei, drei Pisten runter und dann bin auch ich reif für die Mittagspause. Ich fahre runter ins Center Village und finde dort auf einer Art Platz einen Liegestuhl, der nicht zu einem Restaurant gehört und setze mich hin und verspeise meine Sandwiches mit Blick auf den "American Eagle" (die haben hier alle solche Namen, ein anderer heißt "Super Bee").

   Als es mir dann doch ein bisschen kalt wird (die Sonne ist weg..) fahre ich wieder hoch und will eigentlich noch mal hinten die anderen Bereiche ausprobieren, die nicht präpariert sind, aber als ich oben ankomme, stelle ich fest, dass oben ein heftiger Wind weht und er einzige Lift, der zu sehen ist und aus dem Kessel wieder rausführt, ist außer Betrieb. Also suche ich mit dort oben einen anderen Lift, der zwar nicht in der Copper Bowl liegt, bei dem man abert trotzdem überall fahren kann, eine wirkliche Piste gibt es eigentlich nicht. Dort verbringe ich fast den Rest des Nachmittags, bis mir langsam die Puste ausgeht. Also orientiere ich mich wieder in Richtung präpariere Pisten und rausche da noch ein paar Mal die Pisten runter (Namen wie: "Oh no", "Andys Encore" oder "Rosies Run" - klingt nett) Auch hier fällt auf, dass es eigentlich nicht sehr viele Lifte gibt aber zu jedem Lift gibt es mindestens 4-5 Pisten, das stelle ich mir mit einer Gruppe schwierig vor, weil es ständig Abzweigungen gibt.

   Um kurz vor vier geht mir dann auch die Puste aus und ich gönne mir noch ein Feierabendbier unten in der Kneipe. Nach dem Bier hole ich meine Skier und tappe zum Bus. Inzwischen schneit es ausgiebig. Sehr erfreulich: der Bus steh schon da und fährt zwei Minuten später los zum Parkplatz - Perfect Timing! Am Parkplatz stehe ich vor meinem Auto und drücke die Fernbedienung und: es passiert nix. Nochmal probieren: wieder nix! Ein Blick auf das Nummerschild klärt mich auf: das Auto ist zwar das gleiche, aber nicht mein Leihwagen. Den entdecke ich dann ein paar Meter weiter, verdeckt von einem Pickup. Alles in Butter, Skischuhe runter und rein in die Laufschuhe und ab zur Wohnung. Auf der Autobahn ist jetzt einiges los und im Radio sagen sie was von einer Sperrung wegen Schneefall. Die gibt es wirklich, aber erst ab Silverthorne, da müssen alle Auto von der Autobahn runter. Dementsprechend zäh geht es dann die Ausfahrt raus, aber ich habe ja zum Glück Urlaub und so mach die Viertelstunde mehr nichts aus.

   Mal gucken wie morgen die Straßenverhältnisse sind und wo es mich hinverschlägt. Copper Mountain steht auf jeden Fall auf der Liste der möglichen Kandidaten, dass ich noch mal komme (ist eigentlich der erste Eintrag, ich finde die Preise in Beaver Creek und Breckenridge etwas überzogen, fast die Hälfte mehr als hier in Copper Mountain)