Eigentlich ein Traumtag heute morgen. Es ist zapfig kalt und die Sonne lacht vom Himmel.

   Wir kommen einigermaßen gut los und fahren heute mit dem Bus das Tal hinter zum Gletscher in Hintertux. Nach der ersten Godelfahrt noch ein kurzer Boxenstop und dann rauf mit dem Sessellift rauf zum Tuxerjoch. Oben noch der obligatorische Fotostop und dann tasten Gitta und ich uns langsam die blaue Piste runter. Immer schön vorsichtig, weil eine so einfache Piste wie am Murmele im Stubaital scheint es hier nicht zu geben. Nachdem wir den ersten steileren Hang hinter uns gelassen habe, fange ich an, die Sonne und die Schwünge zu genießen, mit Gary Moore im Ohr ziehe ich gar nicht so schnell ein paar Bögen in den frisch gewalzten Schnee.

   Aber irgenwie habe ich nicht richtig aufgepasst und in einer Linkskurve komme ich ein bisschen in Rückenlage, die Ski ziehen aber den Schwung (wie auf Schienen, so soll es eigentlich sein) durch und ich spüre sofort, dass im Knie was nicht stimmt, es fühlt sich an, als ob die Knochen im Gelenk sich gegeneinander verschieben und alles ziemlich locker ist. Ich setze mich erst mal hin und mach die Ski auf. Nächster Versuch: aufstehen. Das geht fast, aber das Knie ist immer noch ganz schlabberig. Also erst mal wieder hinsetzen und hoffen, dass sich das gleich wieder gibt. Ein weiterer Versuch mit Aufstehn zeigt aber: es wird nicht besser, so komme ich mit Ski den Hang nicht runter. Zum Glück ist Gitta inzwischen bei mir und bestärkt mich in meiner Hoffnung, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm ist. Also erst mal auf dem Hosenboden den etwas steileren Bereich verlassen und dann versuchen wr, uns bemerkbar zu machen, weil ich immer noch nicht glaube, dass ich da alleine runterkomm. Die Skilehrerin etwas weiter unten bekommt das nicht wirklich mit, aber kurze Zeit später hält einer an und fragt, ob wir ein Problem haben.

   Die Antwort: ja und es wäre gut, wenn er unten am Lift Bescheid geben kann, dass jemand kommt und mich abholt. Das sagt er zu und fährt runter - wir fagen schon mal an zu warten. Nach einer Weile hält eine Frau - die ich erst für die Pistenrettung halte - und fragt ob sie helfen kann. Sie bleibt noch eine Weile bei uns und sagt Gitta zu, sie bei der Abfahrt alleine zu unterstüzten. Kurze Zeit später hören wir ein Martinshorn und es kommt einer mit einem Schneemobil den Hang raufgefahren. Der macht sich erst mal schlau, was passiert ist und fragt mich dann, ob ich es auf das Schneemobil schaffe, so dass er mich runter zur Gondel bringen kann. Das klappt einigermaßen, auch wenn in den Kurven ein ziemlich unangenehmer Druck auf das Knie kommt. Dementsprechend verkrampft halte ich mich an den beiden Griffen hinter mir fest.

  An der Gondel angekommen, nehmen sie - zum ersten Mal heute - meine Personalien auf und setzen mich in einen Rollstuhl. Inzwischen sind Gitta und die Skilehererin auch bei mir und ich kann mit Gitta die Talfahrt antreten. Unten rollen sie mich zum Erste-Hilfe-Raum und wir warten auf den Krankenwagen, der mich in die Klinik bringen soll. Die Besatzung nimmt dann im Wagen zum zweiten Mal die Personalien auf und wir fahren -  ohne Gitta, die darf leider nicht mit - das enge Tal runter nach Mayrhofen. Gitta hat nun die undankbare Aufgabe, sich selbst und unsere beiden Ski mit dem Bus nach Vorderlanersbach und dann den Berg rauf zu unserem Quartier zu bringen - da ist sie auch nicht zu beneiden.

   In der SportClinic angekommen setzen sie mich ich einen weiteren Stuhl und lassen mich - jetzt zum dritten Mal - die Personalien ausfüllen. Ich schreibe mal auf gut Glück auch meine - seit meinem Urlaub in der Dom Rep 1992 bestehende - Auslandskrankenversicherung mit rein, vielleicht kann man die ja bewegen, sich an den Kosten zu beteiligen. Dann geht es nach - ziemlich kurzer - Wartezeit erst zum Röntgen und dann ins MRT. Damit habe ich dank Gitta ja schon ein bisschen Erfahrung und ich kann Euch sagen, der Sound im Kopfhörer ist so ziemlich das fürchterlichste, was ich seit langem gehört habe. Und damit meine ich nicht die Musik, sondern den Sound, jeder Billigkopfhörer vom MediaMarkt klingt da besser. Es hilft aber trotzdem, sich die Zeit zu vertreiben. Vor dem MRT war noch kurz ein Arzt da, hat mein linkes und rechtes Knie mit Bewegungen verglichen und sagt dann sofort: Kreuzband ab. Ich hatte es schon die ganze Zeit vermutet und jetzt kommt die Bestätigung, die sie sich erst noch aus dem MRT holen wollen. Das sagt - oder besser zeigt - auch nichts anderes, nur dass das vordere äußere Außenband am Schienbeinkopf abgerissen ist und dass es am Meniskus noch einen Einriss gibt. Das volle Programm also, na toll.

   Dann schieben sie mich wieder raus und nach etwas warten komme ich in ein Behandlungszimmer wo mir der Arzt vorschlägt, gleich da zu bleiben für die fällige OP. Er sagt auch, dass die in der Verwaltung schon in Kontakt mit meiner Versicherung ( der Auslandsversicherung, als Privatklink sprechen die nicht mit der gesetzlichen Krankenkasse) in Kontakt sind. Wieder draußen in der Wartezone komme dann eine aus der Verwaltung auf mich zu und sagt, im Normalfall geht das mit meiner Versicherung relativ zügig, woraufhin ich sage, ich möchte erst noch auf die Zusage der Versicherung warten, bevor ich die Behandlung absegne. Auch aus dem Grund, dass der Arzt gesagt hat, dass die OP eigenlich nicht zeitkritisch ist. Heute habe ich mal wieder mein für mich typisches Problem: der Akku von meinem Handy wird langsam leer. Ich nutze die noch verbleibende Kapazität, um Gitta Bescheid zu sagen, dass hier im Wartebereich auch Begleitung möglich ist und sie macht sich auf den Weg, um mich zu unterstützen.

   Also wieder einmal: warten, diesmal mit Gitta zusammen. Nach etwa eineinhalb Stunden kommt die Helferin zurück mit einem Fragebogen von der Versicherung (warum ist nciht das erste, was sie machen??). Nach noch mal einer Stunde sagt sie, sie hat eben angerufen und warten auf einen Rückruf. Noch mal eine halbe Stunde später kommt sie wieder und eröffnet mir, dass die Versicherung heute  - am Sonntag - die Zusage nicht geben kann. Ich rufe dann selbst noch mal dort an und erfahre, dass der externe Dienstleister am Sonntag keine Daten auf die Versichertendaten hat und nicht sehen kann, ob ich dort versichert bin oder nicht. Uns allen haut es ob dieser Aussage fast den Vogel raus: erstens: wie soll ein Dienstleister am Sonntag seinen Job machen, wenn er keinen Zugriff auf die Daten hat (den Notdienst kannst dann wohl in der Pfeife rauchen...) und zweitens: warum machen sie diesen Check nicht als allerestes, für mich wäre das die erste Amtshandlung, erst mal zu klären, ob überhaupt ein Versicherungsschutz besteht.

   Ich komme dann zum ersten Mal auf die Idee, zu fragen, über wie viel Geld wir bei dieser OP eigentlich sprechen. Als ich erfahre, dass die maximale Schätzung bei 17.000€ liegt, entscheide ich dann, bis morgen zu warten und auf Nummer sicher zu gehen. Also ziehen wir unverricheter Dinge und ich mit Knie-Schiene und Krücken wieder ab und Gitta fährt uns wieder zurück rauf in unser Quartier. Ich soll dann morgen gegen Mittag wieder da sein und ab 8h nichts mehr Essen und Trinken. Und ein Schmerzmittel bekomme ich auch mit. Wobei ich sagen muss, schmerztechnisch gesehen hält sich das ziemlich in Grenzen, es is eher ein Drücken und es is ziemlich unangehm, wenn Belastung auf das kaputte Knie kommt.

  Am Quartier angekommen, teste ich erst mal meine Fähigkeiten mit den Krücken und komme ganz gut runter die paar Stufen zu unserer Wohnung. Dort erst mal ab ins  Bett, wobe erst mal an Schlafen nicht zu denken ist. Gitta versorgt mich mit Abendessen und ich teste meine Fähigkeite als Patient, der immer wieder was neues braucht. Mir geht die ganze Zeit die Geschichte mit der Versicherung durch den Kopf und warum die Sanitäter einen erst mal in eine Privatklinik fahren, wobei sie wissen, dass die Klinik unten in Schwaz mit den deutschen gesetzlichen Krankenkasse abrechnen kann. Ein Schelm, wer auf die Idee kommt, dass da vielleicht ein bisschen Provision im Spiel ist. Zur Ablenkung gucken wir zusammen den obligatorischen Sonntag-Abend-Tatort (wieder mal genau was für Gitta ;-) ) und hängen dann noch Criminal Minds dran, um langsam müde zu werden. Zwei Gläser Rotwein später einen Film mit Julia Roberts später finde ich dann doch noch in den Schlaf, unterbrochen von mehrmaligem Umdrehen und einer Pinkelpause. Mal sehen, was der Tag morgen bringt

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