Es geht aufwärts! Heute hatte ich den ersten Tag ohne den obligatorischen Regen.
Schon beim ersten Blick aus dem Fenster sah das ganz ansehnlich aus, nur ein paar vereinzelte Wolken am Himmel. Kühl ist es aber trotzdem, weil ständig ein kühler Wind vom Meer her kommt - wenn er auch lange nicht so stark ist wie die letzten Tage.
Landschaftlich war das heute der schönste Tag bisher, ich konnte mich ganz gut entlang der Küste halten. Allerdings gab es zwei Ausbahmen: erstens die atomare Aufbereitungsanlage in La Hague (da wo die Castoren immer herkommen) - doppelt und dreifach gesichert (Stacheldraht-Elektrozaun-Stacheldraht) und zweitens ein paar Kilometer weiter noch eine riesige Industrieanlage. Erst dachte ich, es sei ein Bergwerk - ich hatte so was gelesen - dann entpuppt sich das ganze als Kernkraftwerk - diesmal nur mit Stacheldraht gesichert. Aber wieder zu den schönen Dingen: Man findet hier einen schönen Strand - oder Bucht nach dem anderen. Nur leider ist es zum Baden etas zu kühl. Mit den Füßen war ich allerdings drin - ganz schön kalt, der Ozean. Es gibt aber doch eine Reihe hartgesottener Surfer, die sich zienlich lange in den Fluten tummeln. Ich schaue lieber zu und genieße Nuss-Salami und frisches Baguette in der Mittagspause. Gegen drei habe ich dann mein geplantes Pensum (ca. 80km) hinter mir und auch mein Hintern schreit stop. Also mache ich mich auf die Suche nach einer Bleibe für heute Nacht. Ein-zweimal halte ich an und schau mir die Informationen an - das ist gut hier, da stehen die Preise immer draußen, ist anscheinend Vorschrift. Am Rand von Portbail fällt mit dann ein Schild auf, dass hier Zimmer zu vermieten wären.
Ein paar Meter weiter gibt es dann einen Marktplatz mit Geschäften und Restaurants, da sollte sich Abends was finden lassen. Also wieder zurück und das Quartier festmachen. An der Tür hängt ein kleinen Zettel, dass Zimmer frei sind, aber man muss anrufen. Nachdem der Zettel in französisch und englisch ist, traue ich mir zu anzurufen. 5 Minuten später steht Audrey, die Vermieterin vor mir und zeigt mir das Zimmer.
Sieht zwar ein bisschen altmodisch aus, aber ganz OK. Ich kann auch den Garten benutzen und morgen früh gibt es Frühstück im Wintergarten. Heute scheint ja die Sonne und bei dem Wind sollten auch die Radlerhosen bald trocken sein, also wasche ich im Waschbecken nicht nur die Oberteile und hänge das ganze Zeugs hinten in den Garten. Um die Sonne noch ein bisschen auszunutzen, mache ich dann einen Spaziergang zum Strand und leiste mir in der Strandbar ein Bier und blinzle von der Terrasse in die Sonne. Ebbe und Flut machen hier so einen grossen Unterschied, dass jetzt am Nachmittag alle Boote auf dem Trockenen liegen - schaut komisch aus. Ich denke, das muss ich mir morgen früh noch mal ansehen, ob die dann alle schwimmen. Als ich zurückkomme, sind meine Sachen fast trocken und ich lege mich noch ein paar Minuten auf einer Liege im Garten in die Sonne. Mal sehen, was die Restaurants heute so hergeben, langsam macht sich der kleine Hunger bemerkbar. Morgen ist dann die Tour bis Granville auf dem Programm. Dort will ich dann entscheiden, ob ich noch einen Abstecher nach Jersey mache. So ganz sicher bin ich mir da noch nicht.