Macht Jetlag eigentlich dumm? Gute Frage, erst einmal zurück zum Anfang heute: Nachdem ich gestern ziemlich früh im Bett war, bin ich dann schon gegen halb fünf wieder aufgewacht – kein Wunder, ich habe gut acht Stunden geschlafen.
Das gibt mir dann die Möglichkeit, ein bisschen mit Gitta zu schreiben und schön langsam dem Kaffee und dem Frühstück entgegenzuarbeiten. Das besteht hier auch frisch gemahlenem Kaffee, dazu gibt es Müsli mit Joghurt.
Schmeckt lecker und gegen sechs geht dann langsam die Sonne auf – sieht wieder nach sehr gutem Wetter aus. So nebenbei schmiere ich mir noch zwei Brote für die Mittagspause, die kommen zusammen mit dem Geldbeutel in den Kamerarucksack. Um viertel nach acht geht es dann los auf die Straße Richtung Big Cottonwood Canyon, dort am Ende liegt Brighton, mein erstes (Ski-)Ziel auf dieser Reise. Ungefähr auf der halben Strecke schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Mist, ich habe den Rucksack nicht mitgenommen! Und gleich als nächstes: Scheiße, da sind auch Geldbeutel und Vesper drin. Eine kurze Bewertung der Situation ergibt: weiterfahren und versuchen, mit meinem Handy (da ist die Bestätigung vom Vorabkauf drauf) das Ticket für heute zu bekommen und den Tag mit einer Handvoll Gummibärchen und Wasser aus dem (hier überall verfügbaren) Wasserspender zu überstehen. So viel zum Thema „macht Jetlag eigentlich dumm?“
Nach einer kurzen Schlange stehe ich dann am Ticket-Fenster und die junge Frau erklärt mir, dass das kein Problem ist, das Ticket ohne Ausweis zu bekommen – noch mal Glück gehabt! Und sie bemerkt auch, dass ich mit dem Ticket einen guten Deal gemacht habe – kein Wunder, ich habe im November ein Tagesticket für heute für $30 ergattert, Normalpreis sind 95.
Das Wetter ist wieder traumhaft: Sicht ohne Ende und Sonne satt. Also schnell in die Stiefel und um viertel nach 9 fahre ich das erste Mal hoch. Noch sind ziemlich wenig Leute unterwegs und ich schaffe in kurzer Zeit eine ganze Reihe an Abfahrten auf der Piste zum Warmfahren. Das gibt Sicherheit, sich auf die Bereiche neben der Piste zu wagen. Dort gibt es zwar keinen Tiefschnee, aber trotzdem liegt immer noch lockerer Schnee auf den Buckeln, so dann man wunderschön durchschwingen kann und es dabei nur so durch die Sonne staubt. Das ist das Erlebnis, warum ich wieder hierher wollte. So probiere ich hier alle Lifte mal durch und erkunde das Terrain daneben. Teilweise sind ganz schön steile Ecken dabei aber das macht Laune, auch wenn es ziemlich in die Knochen geht. Als meine Opaschenkel dann langsam nach Gnade schreien, schwinge ich für ein paar Abfahren auf der Piste den Berg runter und mache dabei die Gitta-Gedächtnis-Abfahrt auf einer Piste namens Sunshine – der Name ist Programm.
Die Mittagspause fällt heute sehr knapp aus, mangels Geld will ich mich auch nicht in die Kneipe setzen und finde im Brighton-Center eine Bank um mich ein bisschen auszuruhen. Danach bleibe ich wieder auf den Pisten und stebe anstatt noch Buckeln nach Höchstgeschwindigkeit. Meine Uhr sagt später: Maximum 72 km/h.
Kurz vor halb drei langt es mir dann – die Beine werden schwer, der Hunger größer und ein bisschen Jetlag-Müdigkeit kommt auch langsam auf. Also runter zum Auto, runter mit dem Stiefeln und runter nach Salt Lake City in mein Quartier. Dort angekommen gibt es erst mal Kaffee und das vorbereitete Vesper, so dass der Magen beruhigt ist. Nach eine ausgiebigen Dusche mache ich mich dann auf in Richtung Innenstadt. Vorher schaue ich noch einmal in dem Skishop vorbei, wo wir vor zwei Jahren die Skier ausgeliehen haben und hole mir ein 2-Tages-Ticket für Snowbird, da will ich am Samstag hin.
Auf dem Weg in die Stadt halte ich kurz an einem Areal, das aussieht wie ein Einkaufszentrum. Näheres Hinsehen bestätigt das auch, es handelt sich um ein ehemaliges Straßenbahn-Depot, das umgebaut wurde. Hier rennen einige ziemlich aufgebrezelte Leute rum und erst nach ein bisschen Nachdenken wird mit klar, dass die den Freitagabend genießen. Dementsprechend voll sind auch die Restaurants. Zum Glück zieht es mich da nicht rein, alleine esse ich lieber zu Hause.
Danach fahre ich noch ein Stück weiter und parke im selben Parkhaus in der Nähe vom Temple Square, wie vor zwei Jahren mit Gitta hier (das muss man sich mal geben: ein Parkhaus mitten in der Stadt und die ersten beiden Stunden sind kostenlos – prima). Nur dieses Mal lasse ich das Einkaufszentrum links liegen und erkunde zu Fuß die nähere Umgebung und da gibt es einige schöne Gebäude zu bewundern. Nach einer guten Stunde reicht es mir dann und ich trete die Rückfahrt in die Wohnung an. Noch ein kurzer Stopp im Supermarkt, wo ich gestern gesehen habe, dass man für $6 eine ganze frische Pizza haben kann – das ist genau das, was ich heute brauche. Daheim angekommen, stelle ich fest, dass die Augen größer waren als der Mund, nach der halben (fünf-Käse-) Pizza sagt mein Bauch er wäre voll. Also gut, dann ist das Abendessen für morgen auch geritzt.
So, der erst Tag ist mehr oder weniger erfolgreich geschafft, morgen gibt’s was neues, da ist ein Skigebiet namens Powder Mountain angesagt, da wollten wir vor zwei Jahren schon hin, aber nachdem es damals nicht so furchtbar viel Schnee hatte, haben wir das verworfen. Bin ich mal gespannt!
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