Kleine Schrecksekunde gefällig? Eigentlich ging alles glatt heute morgen, dank Wecker rechtzeitig aufgewacht, gefrühstückt und eingepackt.

   Dann runter in die Rezeption und rüber über die Straße ins Nachbarhotel, um die Fahrräder zu holen. "Fahrräder? Da sind keine im Gang, die hätte ich heute morgen gesehen..." so die Aussage des Herrn an der Rezeption. Oh Gott, was nun?

   Zum Glück erklärt er sich bereit, nachzusehen und kommt kurz darauf grinsend wieder und lässt uns hinter in den Gang und uns fällt ein Stein vom Herzen. Also rauf mit dem Gepäck und rein ins Pariser Verkehrsgetümmel. Das ist schon noch mal eine andere Hausnummer, als durch Schwabach zu radeln. Aber man gewöhnt sich dran, man darf nur nicht zögern, hier beharrt keiner so stur auf sein Recht wie in Deutschland. Immer die Straße runter, über die Seine, noch mal an Notre Dame vorbei und dann irgendwann rechts. Auch wenn das Handy immer mal wieder das GPS verliert, klappt das ganz gut und wir sind kurz nach halb zehn am Gare Montparnasse.

   Gleis 2 haben sie gut versteckt, aber nicht gut genug für uns, wir finden das recht schnell und auch unseren Platz im TGV. Dann rein mit den Rädern, festschnallen, noch mal kurz Luft tanken draußen und los geht es Richtung Brest. TGV ist schon was anderes als Intercity, die Zeit nach Brest vergeht ziemlich schnell. Dann aber das nächste Problem: unsere Vermieterin hat geschrieben, dass sie erst ab halb sieben abends daheim ist. Aber am Bahnhof gibt es bestimmt Schließfächer für unser Gepäck? Pustekuchen. Auch auf Nachfrage gibt es keine und auch in der Touristeninformation teilt man uns mit, dass es so etwas in ganz Brest nicht gibt.
Also machen wir uns mittsamt Gepäck auf die Suche nach einem Strand. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, weil von wegen - an der Küste entlang ist alles flach, es geht auch rauf und runter und die flach aussehenden Straßen befinden sich im militärischen Sperrgebiet. Außerdem ist das Wetter zu trüb, um am Strand rumzuflezen. Also machen wir eine spontane Spritztour um Brest herum, nicht ohne unserem Liebligs-Sportgeschäft noch einen Besuch abzustatten. Nachdem das länger als gedacht dauert, wird es dann fast 7 als wir bei Anais (oben) in Brest ankommen.

   Die beiden Gastgeber Charles und Anais sind zwei ganz liebe, sie haben für uns ein süßes, puppiges Schlafzimmer hergerichtet und wir hüpfen erst mal in die Dusche. Radlen mach Hunger, also setzen wir uns der Qual der Wahl bei den Restaurants in Brest aus. Diesmal haben wir mehr Glück und machen alles richtig. Mit vollgefutterten Bauch tappen wir wieder hoch in unsere Bude und genießen noch ein Glas Rotwein, bevor es uns wegpfeift.